Bissinger-Blog

17. März 2016

Der Pudding ist gekocht!

Die Ereignisse überholen mich. Kann das sein, dass ich innerhalb von vier Monaten ein neues Buch herausgegeben habe?

Zugegeben, geschrieben habe ich es diesmal nicht selbst. Sondern Werner Stock, ein pensionierter „Bollizischd“. Und das fing mit folgender Mail an, die ich im Oktober 2015 bekam:

„Heimat ist Kindheit“ hörte ich kürzlich von irgendjemanden. Dem maß ich keine besondere Bedeutung bei. Beim Recherchieren nach einem Artikel (…) stieß ich (…) auf Ihr Büchlein „Um fünf am Stadtbuckel“, bestellte es umgehend, bekam es gestern Abend mit der Post und las es in einem Rutsch durch. Heimat ist Kindheit – das stimmt! Zumindest für mich. Selten war ich so angerührt in einer ganz besonderen Art des Glücks. Zumal ich nahezu alle von Ihnen erwähnten Protagonisten kenne, mit (…) und (…) vertilgte ich im Stud so manches Bier (ich stand dort eine Zeit lang hinter der Theke), mit (…) und (…) hatte ich teils dienstlich, teils privat zu tun, – grüßen Sie sie von mir, falls Sie sie treffen.
Als ich dann noch sah, dass Sie die Tochter des Pfarrers sind, der meine Frau und mich am 15.07.84 getraut hat war klar: Ich muss Ihnen schreiben (…)
Durch Ihre so nett geschriebenen Anekdoten fielen mir als „Alt-Offenburger“ …)  auch noch jede Menge „Gschichtli“ aus meiner Kindheit ein. Vielleicht schreiben Sie ja einen zweiten Band, da hätte ich anzubieten:…
Darauf folgte eine ganze Latte Kapitelüberschriften. Spontan war ich skeptisch, denn es passiert häufig, dass begeisterte Leserinnen und Leser mir dringend nahelegen, ihre wieder aufgelebten Erinnerungen zu verwenden.

Doch hier war es anders. Diese Headlines machten mich aus dem Stand neugierig. Zum Beispiel „Karli, renn! – Das unglaubliche Glück eines Bauarbeiters beim Wiederaufbau der Unionbrücke im Herbst 1957“ oder „Hol den Pudding rein, die Dampflok kommt!“

Kurz: Ich verabredete mich mit Werner Stock in Schillers Café und erfuhr: Er lebt zwar jetzt im westfälischen Warendorf, ist aber hier geboren und aufgewachsen und hat auch sein Berufsleben als Polizist hier verlebt. Was mich aber noch brennender interessierte, war die Frage, ob hinter den wohlklingenden Überschriften auch wirklich lesenswerte Geschichten steckten. Davon war ich nach einer halben Stunde und einer heißen „Schoki“ überzeugt. Zwei Stunden und zwei Tassen Tee später hatte ich etliche Geschichten mitnotiert. Und dem Herrn Stock versichert: „Das hier wird nicht in einem zweiten Band verwurstet, sondern ein eigenes Buch!“

Nun hatte der Herr Stock Blut geleckt. Und obwohl er als Ruheständler natürlich jede Menge zu tun hat – er betreibt mit seiner Frau eine Pension, er hat eine wichtige Funktion im Pferdesport, macht Gästeführungen und gottweißwasalles noch – schien er von einer bemerkenswerten Unruhe getrieben. Mal klingelte das Telefon, mal bekam ich eine Mail – mit immer der gleichen Frage: „Haben Sie die Geschichten schon aufgeschrieben?“

Bis mir der Geduldsfaden riss. Freundlich, aber bestimmt forderte ich den Herrn Stock auf, doch schon einmal eine Geschichte selbst zu Papier zu bringen. Sozusagen als Beschäftigungstherapie.

Prompt lag am nächsten Tag eine Geschichte auf meinem Tisch. Und ich stellte fest: Sie hat genau die richtige Mischung aus rustikalem Humor, Selbstironie und badischer Nostalgie,  die mir gefällt – und die meine Bücher „Um fünf am Stadtbuckel“ und „Läden&Leute“ zu regionalen Erfolgen gemacht hat.

„Weitermachen“, lautete deshalb meine kurze Anweisung an den neuen Autor in spe.

Brav schrieb er pro Tag eine Geschichte – 22 Tage lang.

Und ich? Machte den Rest: Das Lektorat, das Formatieren, das Geraffel mit der Selfpublishing-Plattform, die Werbung, die Pressearbeit, die Vermittlung an örtliche Buchhandlungen… „Das bisschen Haushalt“ eben.

Und hey, jetzt kann ich mich auch noch Herausgeberin nennen.

Das Ergebnis von Werners (wir sind natürlich längst beim Du) und meiner Arbeit ist seit ein paar Tagen auf dem Markt. Wir sind zufrieden. Die Presse auch. Sie hat das Buch sogar als Pflichtlektüre eingestuft 😉

Die erste Lesung ist am 21.3. im Spitalkeller, die zweite am 4.4. im Winzerkeller Zell-Weierbach (jeweils 20 Uhr).

Klar, dass wir eine der Überschriften, die mich so neugierig machten, als Titel ausgewählt haben.

Der Pudding ist gekocht!

„Hol den Pudding rein, die Dampflok kommt”

Buben- und Polizeigeschichten aus Offenburg

erschienen März 2016

128 Seiten, 11 Zeichnungen

ISBN 978-3739245898

BoD Verlag, 8,95 Euro

Erhältlich im Buchhandel, bei BoD und hier

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