Pressemitteilung Verein

„Wo ist denn nun das Schwimmbad?“
Seit fünf Jahren gibt es die Kletterhalle des Alpenvereins in Offenburg – Anekdoten und Fakten zu einem echten Erfolgsmodell.

OFFENBURG. Gäbe es sie nicht, müsste man sie bauen: Seit fünf Jahren ist die Kletterhalle des Alpenvereins Offenburg in Betrieb. Seit ihrer Eröffnung hat der Verein geradezu einen Mitgliederboom erlebt. Die Halle ist ein echtes Erfolgsmodell. Ein Rückblick mit Anekdoten und Fakten.

Als die neue Kletterhalle an der Rammersweierstraße ihren Betrieb aufnimmt, bekommt Geschäftsführerin Regina Seckinger einen seltsamen Anruf: „Gibt es bei Ihnen auch ein Schwimmbad?“ „Nein, wir sind eine Kletterhalle.“ „Aber mit Schwimmbad?“ „Nein, bei uns kann man nur klettern.“ „Aber da ist doch Wasser?“ „Nein, es gibt kein Schwimmbad hier!“ „Aber auf Ihrer Website sieht man es doch?“ Die Geschäftsführerin realisiert: Auf einem Foto im Internet ist der hellblaue Boden der Kletterhalle sichtbar – man könnte ihn für Wasser halten. Sie erklärt geduldig: „Das ist der Boden, der hat so eine Farbe.“ Der Anrufer legt auf – um fünf Minuten später wieder anzurufen: „Aber das ist ein Schwimmbad, ich sehe es genau!“ Regina Seckinger sieht sich nun nach der versteckten Kamera um. Sie erklärt das Ganze sehr langsam noch einmal. Nur mit Mühe wird sie den Anrufer los. Und weil sie die Geschichte natürlich weitererzählt, machen sich manche Vereinskameraden noch heute einen Spaß daraus, sie anzurufen und „die Schwimmbadfrage“ zu stellen. Das verhängnisvolle Foto ist längst von der Website verschwunden. Doch andere Skurrilitäten folgen: So steht eines Tages ein Mann mit einer Echse auf der Schulter an der Kasse. Er wolle klettern. Das dürfe er gerne, so Seckingers Antwort, aber was sei denn mit dem Tier? „Das sitzt ganz ruhig auf dem Hallenboden, das macht nichts“, so die Antwort. Die Geschäftsführerin schüttelt energisch den Kopf – und schlägt vor, das Reptil doch im Auto warten zu lassen. Da sei es zu kalt, so der Mann. Ihre Weigerung, die Echse in die Halle zu lassen, quittiert er mit Unverständnis: Da sei nirgends ein Verbotsschild für Tiere. Ob sein Liebling wenigstens im Behindertenklo auf ihn warten könne…? Wieder Kopfschütteln. Auch hier dauert es, bis der Besucher sich trollt, um die Echse nach Hause zu bringen. Ein Verbotsschild für Tiere wird flugs angebracht.

Von diesen Anekdoten könnte Regina Seckinger noch viele erzählen. In fünf Jahren passiert so einiges. So lange ist es her, seit die neue Kletterhalle an der Rammersweierstraße eröffnet wurde. Sie ersetzte die alte Halle in der Geschwister-Scholl-Straße, die zu klein geworden war. Nach einer Bauphase von nicht einmal einem Jahr übergab Vorsitzender Dieter Staedel im Herbst 2010 das Sportgebäude seiner Bestimmung. Dabei gab es schon vorher jede Menge Geschichten: Die Verhandlungspartner wunderten sich, dass fast alle Gewerke – bis auf den Rohbau – von freiwilligen Helfern bewältigt werden wollten, und das bei einem Millionenprojekt. Projektleiter Hermann Seckinger führt weit mehr als 100 fleißige Ehrenamtliche sicher durch die Bauphase und lässt sich von nichts stoppen: Weder von Schneefällen bis in den März noch von einer nicht trocknen wollenden Bodenplatte, alles Dinge, die den ehrgeizigen Zeitplan zum Wanken bringen.

Auch der restliche Vorstand schwitzt mehr als einmal Blut und Wasser: Zum Beispiel, als der Kreditrahmen wegen zusätzlicher Kosten um 300 000 Euro aufgestockt werden muss. Erfreulich ist die riesige Hilfsbereitschaft der Freiwilligen, von denen manche jeden einzelnen Tag um 7 Uhr auf der Matte stehen, so dass letztlich Tausende von Arbeitsstunden zusammenkommen; ebenso die Spendenbereitschaft von Mitgliedern, Gönnern und Firmen, die viele tausend Euro einbringt. Und heute? „Sind es weiterhin die Ehrenamtlichen, die den großen Erfolg der Kletterhalle möglich machen“, so Regina Seckinger. Durch Hallendienste, Betreuung von Klettergruppen und vieles mehr machen sie die Halle zu dem, was sie heute ist: Eine feste Größe im Ortenauer Sport- und Freizeitleben.

(Erschienen in der Badischen Zeitung vom 29.10.2015)